Stand 24.04.2009

Die Frauen-Computer-Schule München als AG

Auszüge aus dem Info-Brief von Februar 1999

Warum eine Veränderung der Rechtsform?

Die Frauen-Computer-Schule München wurde 1990 als Einzelunternehmung von Angelika Huber gegründet. Bereits damals arbeitete sie nicht allein, sondern im Team - aus sieben Frauen bestehend - da ursprünglich ein Verein gegründet werden sollte. Die qualifizierte Unternehmensberatung durch GELD & ROSEN führte dazu, die Schule als idealistisches Projekt auf kommerzielle Beine zu stellen - mit der Konsequenz, daß Angelika Huber allein verantwortlich handelte. Bereits 1991 stieg Elisabeth Seidel in die Organisation mit ein und wurde 1995 gleichberechtigte Partnerin der nunmehr als BGB-Gesellschaft firmierenden FCS. Für das unaufhaltsame Wachstum der Frauen-Computer-Schule München war diese Rechtsform ideal: unkompliziert, unbürokratisch - und damit beweglich.

Mittlerweile jedoch ist die Frauen-Computer-Schule München ein Unternehmen, das mit nur zwei Gesellschafterinnen nicht mehr zu managen ist: neun Organisationsfeen teilen sich drei Vollzeitstellen (wir nennen dieses Modell "management by rotation"), und 45 Referentinnen betreuen 4.000 Teilnehmerinnen in 450 Kursen pro Jahr. Im Viertel München-Neuhausen sind wir mit 3 Schulungsräumen vertreten, ein vierter ist geplant.

Die Schere Handeln & Verantwortung zusammenführen

Die selbständige Arbeitsweise der Kolleginnen in der hierarchiefreien und sachorientierten Frauen-Computer-Schule München geht nicht mehr mit der BGB-Gesellschaft Huber/Seidel konform: neun Frauen handeln, zwei sind verantwortlich.

Gleichzeitig führt die steigende Re-Investitionsquote der Schule (1998 ca. 100.000 DM) zu steuerlicher Ungerechtigkeit: die Rücklagenbildung geht zu Lasten der BGB-Gesellschafterinnen.

Beispiel: Die Frauen-Computer-Schule München erwirtschaftet 1998 einen:

Überschuß in Höhe von DM 350.000,--
davon werden steuerlich DM 100.000,--
an Abschreibungen abgezogen verbleiben DM 250.000,--

Dieser Überschuß wird durch zwei dividiert, Angelika Huber und Elisabeth Seidel versteuern jeweils DM 125.000,--

Tatsächlich aber erhielten sie jeweils nur 60.000,-- DM ausbezahlt, "der Rest" wurde investiert bzw. ging in die Liquiditätspolitik ein: für Rücklagenbildung, Tilgungsraten und Steuerzahlungen - allein 60.000 DM 1998 an Umsatzsteuer, dazu kommt noch die horrende Einkommensteuer, da bei einer BGB-Gesellschaft der gesamte Überschuß als Einkommen gerechnet wird. Das (steuerliche) Problem bei der BGB-Gesellschaft (= Gesellschaft bürgerlichen Rechts): ihre Gesellschafterinnen gelten nicht als "Kostenfaktoren" - was die Gesellschafterinnen bezahlt bekommen, muß durch Überschuß erwirtschaftet werden und gilt als "Privatentnahme" bzw. "Gewinnvorauszahlung".

Warum die "Kleine AG"?

Durch das Buchprojekt "Existenzgründung für Frauen" (mvg Verlag, März 1999), kam Angelika Huber auf die Idee: die neue Rechtsform der Kleinen AG, die es erst seit 1.1.1995 gibt, könnte das ideale "Kleid" für die Frauen-Computer-Schule München sein. Sie probierte es zusammen mit ihren Kolleginnen an - und verblüfft stellten alle fest: es paßt.

Im Unterschied zur "großen AG", ist die kleine

  • nicht börsennotiert
  • benötigt nur ein Grundkapital von 100.000,-- DM und
  • ist erheblich unbürokratischer zu handhaben als ihre "große Schwester".

Vorteile der "Kleinen AG" für die FCS München

  • Der partizipative Führungsstil in der Frauen-Computer-Schule München wird nicht nur de facto, sondern auch de jure gelebt.
  • Die AG ist eine eigenständige juristische Person und damit nicht mehr von einzelnen natürlichen Personen abhängig.
  • Die Rücklagenbildung schmälert den Gewinn - und ist sogar gesetzlich vorgeschrieben!
  • Die Kleine AG ist keinen Spekulationen ausgesetzt.
  • Die Haftung ist auf das Grundkapital beschränkt.
  • Das gesellschaftliche Projekt Frauen-Computer-Schule wird tatsächlich "vergesellschaftet": die FCS ist in Frauenhand.

Vinkulierte Namensaktien

Die Aktien der Frauen-Computer-Schule AG, jeweils lautend auf 250 Euro, werden auf den Namen der Erwerberinnen ausgestellt und in ein Aktienbuch eingetragen. Der Erwerb wird vertraglich festgehalten - die Aktionärinnen erhalten symbolische Aktien. Verkauf wie Rücknahme erfolgen über die Gesellschaft direkt, wobei der Verkauf an die Zustimmung des Aufsichtsrats gebunden ist.

Nachteile der "Kleinen AG" für die FCS München

Da die Aktiengesellschaft per Gesetz ein Gewerbe ist, wird die FCS bilanzierungspflichtig. In bezug auf das Finanzmanagement ist dies kein Problem - in der FCS wurde seit der Gründung "bilanziell gedacht", aber für das Rechnungswesen bedeutet dies doppelte Buchführung - diese wiederum bedeutet Verwaltungsaufwand: die Rechnungen müssen an dem Tag verbucht werden, da sie gestellt werden und an dem Tag, an dem sie bezahlt werden. Bei 4.000 Teilnehmerinnen jährlich keine unerhebliche Zahl. Trotzdem: wir werden auch und gerade diesen Verwaltungsaufwand minimieren und unserem lean management treu bleiben.

Davon abgesehen wird lediglich die Form an den Inhalt angepaßt: das Organisationsteam bleibt wie's ist, nur, daß es jetzt Vorstandsteam heißt.

Zur personellen Kontinuität

Elisabeth Seidel geht in den Vorstand, Angelika Huber in den Aufsichtsrat.
Vorstand: Astrid Hastreiter (Rechnungswesen), Elisabeth Seidel (PR/Marketing, Arbeitsamt/EU-Kooperationen), Brigitte Hutt (Technik), Angela Ingianni (Pädagogik), Dr. Tilly Lex (Macintosh), Dr. Sabine Collmer (wissenschaftliche Begleitung).
Aufsichtsrat: Angelika Huber (BWL, PR), Dr. Hildegard Kronawitter (VWL, Politik), Christine Wittig (BR).

Zur finanziellen Kontinuität

Die Frauen-Computer-Schule München setzte 1998 1,7 Millionen DM um. Für 1999 wird ein Umsatz von 2 Millionen DM erwartet. Auch, wenn der Überschuß bei der AG "naturgemäß" geringer ausfallen wird (weil's keine "Privatentnahmen" mehr gibt und Rücklagen gebildet werden können), ist eine Dividende in Höhe von 7 % realistisch.

Schuldenfreie FCS

Die Frauen-Computer-Schule München ist bankschuldenfrei und nur noch privaten Einlegerinnen in Höhe von 153.000,-- DM verpflichtet. Interessanterweise entspricht diese Summe exakt der Höhe der Gründungsfinanzierung. Die meisten Einlegerinnen werden zu Aktionärinnen, wenngleich auch die Rückzahlung dieser privaten Darlehen kein Problem wäre: die Rücklagen der FCS decken die Darlehenssumme.

Konkrete Umwandlung und Termine

Juristisch bedeutet die Umwandlung: die GbR Huber & Seidel wird aufgelöst und an die neu zu gründende Frauen-Computer-Schule AG verkauft. Der Verkaufspreis beträgt 1 Mio Mark, bestehend aus 300.000,-- Mark Buchwert und 700.000,-- Mark ideellem Wert (kaufmännisch ausgedrückt: der Firma). Da die FCS AG diesen Betrag selbstverständlich nicht auf einen Schlag zahlen kann, wird eine Art "Leibrente" vereinbart: Die Frauen-Computer-Schule AG bezahlt 17 Jahre lang monatlich je 2.500,-- Mark an Elisabeth Seidel und Angelika Huber.

Gründungstermin für die AG ist der 10. September 1999, der 9. Geburtstag der Frauen-Computer-Schule München, um 15 Uhr, im Trafo, Nymphenburger Str. 171, Bürgerinnensaal. Das Geburtstagsfest ist zugleich die Gründungsversammlung. Die AG beginnt per 1.1.2000.

gezeichnet: Angelika Huber + Elisabeth Seidel
(Gründerinnen der Frauen-Computer-Schule AG)

zurück zur Chronik